Frau Dr. Lang, 35 Jahre, Ärztin

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Als Ärztin bin ich selbst in der Situation, auf Grundlage von Vorsorgedokumenten Entscheidungen für PatientInnen treffen zu müssen.‍

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Kurz zusammengefasst

Fr. Dr. Lang ist Ärztin und kommt durch ihren Beruf immer wieder in Berührung mit Vorsorgedokumenten und hat Situationen, in denen Angehörige schwierige Entscheidungen treffen müssen, weil keine Dokumente vorhanden sind.

Das erste Mal bin ich dem Thema Vorsorgedokumente in meinem Medizinstudium begegnet. Das Thema wurde dort allerdings nur theoretisch behandelt. Praktische Erfahrungen kamen dann durch meinen Berufsalltag in der Praxis und den Kliniken dazu. Aber auch privat in meiner Familie sprechen wir über Vorsorge.

Als Ärztin bin ich selbst in der Situation, auf Grundlage von Vorsorgedokumenten Entscheidungen für Patienten treffen zu müssen. Vorsorgedokumente erleichtern die Behandlung in schwierigen Situationen, insbesondere mit sterbenden PatientInnen. Angehörige sind oft überfordert und somit entlastet es, wenn Vorsorgedokumente vorhanden sind. Je vollständiger und konkreter die Dokumente ausgefüllt sind, desto einfacher ist es für uns ÄrztInnen, den Wunsch des Patienten zu erkennen. Es kommt immer noch sehr häufig vor, dass die konkreten Wünsche aus den Dokumenten nicht eindeutig hervorgehen. Dennoch unterstützen die Dokumente alle Beteiligten, da zumindest die Richtung des Willens aus den Vorsorgedokument hervorgeht.

Leider wird das Thema bis jetzt als Tabu-Thema abgestempelt und weit in die Zukunft geschoben. Zudem sind vielen Menschen die gesetzlichen Regelungen unbekannt. Das Thema Vorsorge sollte definitiv mehr Aufmerksamkeit bekommen. Als Maßnahme denke ich hier beispielsweise an Schreiben, mit denen Krankenkasse PatientInnen darauf hinweisen. Meinen Organspendeausweis habe ich auch nur durch einen Zufall bekommen. Seither trage ich Ihn in meinem Geldbeutel bei mir. Ein anderer Ansatz wäre eine zusätzliche Vergütung für ÄrztInnen für das gemeinsame Ausfüllen von Vorsorgedokumenten mit den Patienten.

Mich entlastet die Gewissheit, bereits Vorsorge getroffen zu haben. Jeder sollte zumindest mit seinen Angehörigen über Vorsorge sprechen. Noch besser ist es, das Besprochene schriftlich festzuhalten, um Streit und Gewissensbisse der Angehörigen im Ernstfall zu vermeiden.

Einheitliche, juristisch geprüfte Formulare erleichtern das Lesen der festgehaltenen Wünsche auch für uns ÄrztInnen. Trotzdem muss genug individueller Spielraum beim Festlegen der einzelnen Wünsche und Anliegen gegeben sein.

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